ver.di-Jugend: Politische Streiks und ziviler Ungehorsam
Politische Streiks und ziviler Ungehorsam
15.05.11
Die ver.di-Bundesjugendkonferenz setzt auf offensivere Aktionsformen und entschiedenere Interessenvertretung
Berlin, Sonntag der 15. Mai 2011. Die Jugend der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) geht in die Offensive gegen die Zunahme unsicherer Arbeitsverhältnisse. Auf ihrer 3. Bundesjugendkonferenz legten über 100 Delegierte an diesem Wochenende in Berlin die Leitlinien für die kommenden vier Jahre fest. Unter anderem will die Gewerkschaftsjugend stärker auf Aktionen des zivilen Ungehorsams setzen und politische Streiks organisieren.
"Die gesellschaftliche Situation nach der Wirtschaftskrise erfordert entschiedenere Gegenwehr. Während die Bankenrettung Milliarden an Steuergeldern verschlungen hat, kommt auch in Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs nichts bei den jungen Menschen an. Weder Politik noch Wirtschaft scheinen aus der Krise gelernt zu haben. Aber hier geht es um die Perspektiven einer ganzen Generation und damit um die Zukunft unserer Gesellschaft", kommentiert Ringo Bischoff, ver.di-Bundesjugendsekretär die Beschlüsse der Konferenz. Vor diesem Hintergrund will seine Organisation künftig junge Beschäftigte und Studierende verstärkt ansprechen. "Prekäre Beschäftigung ist vor allem ein Thema nach der Ausbildung. Dem müssen wir Rechnung tragen", so Bischoff.
Um einen grundlegenden Wandel herbeizuführen will die ver.di Jugend auch ihre erfolgreiche Bündnisarbeit ausbauen. In den vergangenen Jahren blockierte die Gewerkschaftsjugend mit zahlreichen anderen Gruppen und Jugendorganisationen Naziaufmärsche in Dresden und anderen Städten. Die positiven Erfahrungen mit Blockaden und ähnlichen Aktionsformen will die ver.di Jugend nun auch auf andere Bereiche übertragen. Dabei wird der legale Rahmen wenn nötig auch bewusst überschritten. "Wir werden in Zukunft auch für politische Forderungen Streiks organisieren. Das ist nach deutschem Rechtsverständnis zwar nicht legal, aber in diesen Zeiten sehen wir uns gezwungen, die Rechtsprechung durch aktives Handeln zu ersetzen", so Bischoff.
Die neue Ausrichtung zeigte sich am Samstag noch während der Konferenz. Gemeinsam mit der Berliner Antifagruppe ALB und dem VVN-BdA mobilisierte die ver.di Jugend kurzfristig zur Blockade eines NDP-Aufmarsches. Aufgrund des konsequenten Handelns der jungen Gewerkschaftsaktiven und ihrer Bündnispartner konnten die Nazis auch dieses Mal in Berlin nicht marschieren.
Quelle: scharf-links, 15.5.11
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