Hess-Natur in die Haende der Belegschaft und Kunden!
Hess-Natur in die Hände der Belegschaft und Kunden!
10.01.11
Globalisierungskritiker entwickeln Alternativen zu Verkauf an Carlyle
Die bundesweite Attac-Arbeitsgruppe "Solidarische Ökonomie" und das
Netzwerk Solidarische Ökonomie (SÖ) arbeiten gemeinsam an einem neuen
Konzept für das Ökotextilunternehmen Hess-Natur. Am Montag trafen sich
erstmals Mitarbeiter und Kunden von Hess-Natur mit Mitgliedern der Attac-
AG und des Netzwerkes in Frankfurt. Im Anschluss an das Treffen kündigten
die Attac-AG und das Netzwerk SÖ eine gemeinsame Kampagne für die
Umwandlung von Hess-Natur in eine Genossenschaft an. Dafür werden die
Aktivisten Absichtserklärungen von Mitarbeitern, Kunden und
Interessierten sammeln, die einer späteren Genossenschaft beitreten
wollen. Der Betriebsratsvorsitzende von Hess-Natur, Walter Strassheim-
Weitz, kündigte am Montag zudem an, der Betriebsrat werde die
wirtschaftlichen Mitbestimmungsmöglichkeiten juristisch prüfen lassen.
"Wir arbeiten seit Jahren intensiv an Modellen, wie Beschäftigte, Kunden
und Lieferanten ein Unternehmen in eigener Regie weiterführen können",
sagte Dagmar Embshoff, Mitglied des Netzwerkes SÖ sowie der Attac-AG.
"Sei es, dass ein Unternehmen kurz vor der Insolvenz steht oder ihm wie
im Fall von Hess-Natur die Übernahme durch einen Investor droht, der nur
auf kurzfristige Gewinne aus ist - es gibt kooperative Alternativen."
Bei dem Treffen stellte Hans Gerd Nottenbohm vom Netzwerk ÖS anhand der
Geschäftszahlen von 2009 ein erstes Alternativ-Konzept für das
Ökounternehmen vor. Ziel wäre die Umwandlung der Hess-Natur-Textil-GmbH
in eine Genossenschaft. Für diese würde der Grundsatz "ein Mitglied, eine
Stimme" gelten, wobei so genannte investierende Mitglieder laut
Genossenschaftsgesetz nur eingeschränkte Gestaltungsrechte erhalten.
"Hess-Natur steht bereits für eine ökologische und faire
Unternehmenspolitik. Eine Fortführung als demokratischer Betrieb wäre die
konsequente Weiterentwicklung hin zu einem wirklich alternativen
Wirtschaften", sagte Hans-Gerd Nottenbohm.
Die Anwesenden, darunter fünf Betriebsratsvertreter von Hess-Natur,
beteiligten sich an der Diskussion mit großem Interesse. "Wir haben heute
eine Alternative kennen gelernt, die wir so bisher noch nicht im Blick
hatten. Wir befürworten auf jeden Fall eine weitere Diskussion in diese
Richtung. Ein solches Konzept kann für alle Beteiligten Gewinn bringend
sein", sagte Betriebsratsvorsitzender Walter Strasheim-Weitz.
Auch die Arbeit gegen eine Übernahme durch Carlyle geht weiter. Im
Dezember hatte Attac die drohende Übernahme des Ökotextilunternehmens
durch den Private-Equity-Fonds und Rüstungskonzern Carlyle öffentlich
gemacht. Seitdem haben mehr als 4.000 Menschen angekündigt, Hess-Natur im
Falle eines solchen Verkaufs zu boykottieren. Im Februar werden die
gesammelten Erklärungen öffentlichkeitswirksam übergeben. Jutta
Sundermann vom Attac-Koordinierungskreis: "Unser Protest ist bereits
erfolgreich. Eigentlich kann Carlyle sich jetzt nur noch zurückziehen.
Der Schaden für Hess-Natur wäre sonst zu groß."
Attac engagiert sich seit vielen Jahren gegen das Geschäftsmodell der
Private-Equity-Fonds. Carlyle gehört zu den größten dieser Fonds und ist
eng mit der US-amerikanischen Rüstungsindustrie verbunden.
Im Internet:
* Attac-Seite "Carlyle stoppen" mit Unterschriftenaktion:
http://www.attac.de/carlyle-stoppen
Quelle: scharf-links, 10.1.11
http://www.scharf-links.de/47.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=14018&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=e2afb48f12
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